Hitzefrei!

Kalifornien ist allseits bekannt als Sonnenstaat, liegt doch die durchschnittliche Anzahl an  Sonnentagen hierzulande etwas über dem Durchschnitt. Haben wir vor vier Wochen noch darauf gehofft, die Sonne möge die letzten Reste des Winters aus den Bergen vertreiben, übertreibt sie es derzeit mit ihrer erwärmenden Art und bringt die kalifornische Tiefebene zum Glühen. Teilweise werden Temperaturen jenseits der 40 Grad gemeldet – wir haben allen Grund, dem zu entfliehen. 

Glücklicherweise passt das auch zu unseren Reisezielen. Die zusammengehörenden Nationalparks Kings Canyon und Sequoia befinden sich oberhalb der 1500er Höhenlinien und bieten ein entsprechend kühleres Klima. Wir finden unseren Lieblingsort am Hume Lake, einem kleinen Stausee in einer Höhe von 1600 Metern. Von hier aus starten unsere Unternehmungen in die umliegenden Wälder oder zu den Attraktionen der Parks. Wunderschöne Wanderungen führen uns durch Wälder mit riesigen Sequoias, Wasserfällen und zu felsigen Aussichtspunkten mit Blick auf die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada.

Dass wir schon wieder von riesigen Bäumen berichten, mag mittlerweile Langeweile aufkommen lassen. Aber die Sequoias im gleichnamigen Park sind eben auch die größten Exemplare, unter ihnen der Sherman Tree, der als der größte Baum der Welt gilt. Hier die nüchternen Fakten: Höhe 85 Meter, 1487 Kubikmeter Volumen, Gewicht, 1256 Tonnen, Umfang am Fuß 31 Meter, Durchmesser an der Basis 11 Meter, geschätztes Alter 2200 Jahre. Beste Wachstumsbedingungen mästeten diesen Baum zum Rekordhalter, allerdings ist er aber nur schneller gewachsen und daher nicht der älteste seiner Art – es sind Exemplare nachgewiesen, die mehr als 3000 Jahre auf dem Buckel haben.

Fantastisch ist aber die Tatsache, dass dieser Riese nicht allein auf weiter Flur steht, sondern Teil eines riesigen Reservats ist. Wir streifen stundenlang durch die Wälder, in denen unglaublich viele der Riesenbäume stehen und die nicht unbedingt kleiner wirken als der Sherman Tree. Vor allem sind wir aber auch nahezu allein, denn nur wenige hundert Meter abseits der touristischen Sehenswürdigkeiten trifft man nur noch wenige Naturliebhaber. 

Auffällig auf unseren Bilder sind Spuren von Waldbränden, die den Riesenbäumen zwar Brandwunden zugefügt, sie jedoch nicht vernichtet haben. Dass die Sequoias das Feuer sogar benötigen, ist erst spät entdeckt worden. Ein begrenzter Waldbrand beseitigt nicht nur Konkurrenten wie Pinien und Buschwerk, sondern begünstigt auch die Entwicklung der neuen Sämlinge. Daher werden heutzutage auch bewusst Feuer gelegt, um neuen Bäumen zu mehr Lebensraum und guten Wachstumsbedingungen zu verhelfen. 

Zwar lässt es sich oben in den Bergen gut auskommen, immer wieder treffen wir auf vorgegarte Reisende aus dem Tiefland. Aber leider gehen unsere Vorräte auch zur Neige und wir benötigen einen gut sortierten Einkaufsmarkt, um unseren Kühlschrank wiederum zu befüllen. Außerdem haben wir auf unserem Klima-Olymp keine Möglichkeit zum Wäsche waschen, weshalb die Laundry auch etwas zu tun bekommt. Ganz nebenbei können wir auch diesen Beitrag veröffentlichen, denn im Wald gibt es nun mal kein Internet. Aber danach ziehen wir uns wieder in die Wälder in der Nähe des Hume Lake zurück und nehmen uns hitzefrei!

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