Feuerwerk

Gewiss kann man auch in Europa aktive Vulkane bestaunen, aber keiner hat praktischerweise einen ebenso hohen Nachbarn, der selbst (gerade) nicht aktiv ist, aber nah genug dran für unser bescheidenes Teleobjektiv und gleichzeitig auch weit genug weg ist, dass die Eruptionen die Fotografen nicht erwischen. Diese an und für sich bereits günstigen Voraussetzungen allein reichen allerdings noch nicht aus, zu ergänzen seien Unternehmungsgeist und sportliche Fitness gepaart mit dem Glück einer klaren Nacht. 

Nahe Antigua Guatemala, der ehemaligen Hauptstadt Guatemalas, findet man dies seltene vulkanische Zwillingspaar. Zwar ist der Acatenango (3976 m) streng genommen noch aktiv, aber ruht in sich seit vielen Jahren. Von seinen Flanken hat man die unverstellte Sicht auf den Gipfel des Fuego (3763 m), der verlässlich alle 10 bis 20 Minuten grummelt und schwarze Rauchwolken ausstößt. Aber erst mit Beginn der Dunkelheit offenbart sich der gesamte Zauber, denn nur dann sind die rotglühenden Geschosse und die den Berghang herab fließende Lava zu sehen.

Ausgangspunkt unserer Tour ist das Dörfchen San José Calderas, das sich am Fuße des Acatenango befindet. Eine hier ansässige Agentur hat nicht nur gute Rezensionen, sondern auch einen Parkplatz für Hilde im Angebot. Außerdem ist das dazugehörige Basecamp das mit Abstand am höchsten gelegene und verspricht so den besten Blick auf das Fotoobjekt unserer Begierde. Zu guter letzt haben wir Glück beim Verteilen der Schlafplätze und bekommen ein Zelt für uns ganz allein, wir übernachten sozusagen in der Fürstenloge. An Schlaf zu denken kommt uns nicht in den Sinn, viel zu aufregend ist das Naturschauspiel direkt vor unserem Balkon, viel zu laut ist das Getöse der Eruptionen. Bis spät in die Nacht probieren wir die Einstellungen für das perfekte Foto aus und warten auf besonders intensive Explosionen. Nach kurzem Schlummer treibt uns die Verheißung eines farbenreichen Sonnenaufgangs besonders früh aus den Schlafsäcken. 

Dank der Trainingstour auf den San Pedro eine Woche zuvor stört uns kaum ein Muskelkater beim Verarbeiten des Erlebten. Dabei ist die Bandbreite der Emotionen kaum beschreibbar, angemessene Worte wollen sich kaum finden lassen. Vielleicht passt wirklich ein schlichtes Wow am besten, drückt es doch in wunderbarer Schlichtheit das ganze fassungslose Erstaunen vor der Schönheit der Naturgewalten aus. 

Wetterbericht: Danke der Höhenlage sind auch in hiesigen Breitengraden kurze Hosen nicht angebracht. Wir bevorzugen Modell Zwiebel, denn im Tal starten wir bei moderaten 20 Grad. 1200 Höhenmeter weiter oben kommen dann nach und nach weitere Schichten dazu, nach Sonnenuntergang gehen die Temperaturen deutlich zurück. Wir freuen uns über unsere Daunenjacken, die die Nacht im Zelt bei ca. 0 Grad erträglich machen. Beim Abstieg am nächsten Tag verschwinden die Zwiebelschalen wieder Stück für Stück in den Rucksäcken. 

2 Antworten auf „Feuerwerk“

  1. Die Bilder sind wirklich fantastisch. Dafür würden wir auch auf den Nachtschlaf verzichten. 😉
    Herzliche Grüße aus dem kalten aber sonnigen Weimar.
    Annett und Micha

  2. Wie Ihr bemerkt habt, einfach nur WOW 🤩
    Ihr seid zu beneiden 😊! Weiterhin viele solcher Eindrücke
    Lieben Gruss
    Marie-Jeanne und Urs

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