Morbider Charme

Die raue und trockene Schönheit der Atacama-Wüste begleitet uns nun schon seit geraumer Zeit. Das hat vor allem damit zu tun, dass diese Landschaft so unendlich groß ist: seit ungefähr 1500 Kilometern sind wir in diesen unwirtlichen Gegenden unterwegs. Schwer vorstellbar, dass es dennoch Leben in der Wüste gab und gibt. Denn die Atacama hat etliche Bodenschätze unter ihrem Sand und Gestein vergraben, die für das nicht gerade mit üppigen Reichtümern gesegnete Chile wichtig waren und sind. 

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden inmitten der trockensten Wüste der Erde zahlreiche Orte gegründet, tausende Menschen siedelten sich an und versuchten, dem harten Klima ein bisschen Leben abzutrotzen. Der Grund hierfür war Salpeter, das weiße Gold Chiles. Der natürliche Rohstoff, der für die Herstellung von Düngemittel und Schießpulver benötigt wurde, war damals der wirtschaftliche Hauptträger für Chile. Es entstanden künstliche Oasen, die mit allem ausgestattet waren, um Leben und Arbeit zu ermöglichen. Neben Wohnungen für die Arbeiter gab es Geschäfte, Theater, Kinos, Tanzsäle und Kirchen. 

Mit der Entwicklung des künstlichen Nitrats in Deutschland während des ersten Weltkrieges begann auch der Niedergang der Salpeterindustrie in Chile. Heute kann man nur noch in der Wüstenlandschaft verstreute Ruinen der einstigen kulturellen Oasen finden. Eine museale Sammlung des Eisenbahnwesens begeistert uns und lässt die Fotoapparate glühen, und auch in einer der am besten erhaltenen Geisterstädte, Chacabuco, können wir uns nur schwer vom morbiden Charme des Verfalls lösen. 

Angesichts der Historie dieser Orte juckte es der Fotografin förmlich in den Fingern, die Bilder auch in das Licht der Zwanziger Jahre zu rücken. Daher wagen wir es, unserer Galerie bearbeitete Bilder hinzuzufügen: Verfall geht halt nicht in Bunt!

4 Antworten auf „Morbider Charme“

  1. Hallo zusammen, Toni hat mir heute Eure Seite gezeigt, die ich jetzt mal weiter verfolgen werde, wenn es erlaubt ist.
    Es ist toll , was Ihr da erlebt. Herzliche Grüße von Sabine

  2. Die alten Gemäuer habt ihr wunderbar in Szene gesetzt.
    Habt noch eine gute Reise und ein waches Fotografenauge!
    Alles Liebe von Anni und Alex

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